Profit First – die Natur macht’s uns vor

Herbstbaum

 

Was für eine Woche! Trüb, dunkel, nebelig hat sie am Montag begonnen. Im Außen wie im Innen. Am Samstag entstand dann dieses Foto und ich habe verstanden, wofür das alles gut war.

Aber von vorn: Meine Nacht der Wahrheit hatte ich am vergangenen Sonntag. Fünfzehn Monate lang habe ich alles gegeben und fast meine gesamte Arbeitszeit und Energie dem Aufbau von Profit First Deutschland gewidmet. Und die fehlte dann natürlich in meiner Kanzlei, so dass ich nun vor einem Scherbenhaufen aus liegengebliebener Arbeit, aufgebrauchten Ressourcen und einer Liquiditätssituation stehe, die diese Bezeichnung nicht mal verdient.

Und doch ich bereue keine Sekunde davon. Gerade weil ich erst vergangenen Mittwoch wieder erfahren habe, dass das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen von Solo-Unternehmern bei 1.476 € liegt. Bei durchschnittlich 50-60 Arbeitsstunden pro Woche brauchen wir hier über so etwas Mindestlohn gar nicht erst nachzudenken.

Aber ich kann es nicht ausstehen, schlechte Nachrichten zu verbreiten, ohne Konsequenzen daraus zu ziehen. Ich konzentriere mich lieber darauf, die Situation zu verbessern. Und hier schließt sich der Kreis zu Profit First. Und zu meiner verrückten Woche. Meine Arbeit und und Profit First wird in Deutschland gebraucht und das ist mir einfach zu wichtig, um mich von irgendetwas aufhalten zu lassen.

Im Nebel und der trüben Dunkelheit des Montags habe ich mich allerdings zugegebenermaßen erst mal in Selbstvorwürfen geübt: Wie konnte ich es so weit kommen lassen? Wieso habe ich den Aufbau nicht schneller geschafft? Habe ich zu viel riskiert? Habe ich meine Kanzlei und die Arbeitsplätze meiner Mitarbeiter gefährdet? Wie geht es jetzt weiter? Wie passt Profit First da hinein?

Die Wahrheit ist: ohne Profit First hätte ich es niemals bis hierher geschafft. Profit First hat für mich und meine Kanzlei gesorgt, so dass ich – auch wenn ich nun an meine finanziellen Grenzen geraten bin – nicht allzu viel Schaden angerichtet habe.

Nur, weil ich die Prinzipien von Profit First lebe, kam dieser Moment der Wahrheit so rechtzeitig! Ich habe bis zu diesem Punkt keine Bankkredite aufgenommen, kann alle anstehenden Steuern bezahlen, meine laufenden Rechnungen und die Gehälter meiner Mitarbeiter begleichen und meine „Schatztruhe“, die Notfallreserve ist noch unangetastet.

Das Frühwarnsystem hat perfekt funktioniert! Ich habe eine beachtliche rote Warnlampe bekommen, die mir ins Gesicht blinkt: „Bis hierhin und nicht weiter! Wenn Du jetzt nicht das Ruder herumreißt, kommst Du in gefährliche Fahrwasser!“

Ich habe die Botschaft verstanden und meinen persönlichen „Gang nach Canossa“ letzte Woche absolviert.

Ich habe das Ruder herumgerissen, meine Aufträge und meine Einsatzplanung neu arrangiert und ich habe alle wunderbaren Projekte – auf die ich mich so sehr gefreut habe und die alle eine Stange Geld gekostet und jeden Cent davon doppelt wert gewesen wären – auf Eis gelegt, bis ich meine Finanzen wieder konsolidiert habe. Und ich habe mit offenen Karten gespielt und nichts beschönigt.

Das hat mir sehr weh getan, besonders, weil ich das Gefühl hatte, all diese wunderbaren Menschen hängen zu lassen. Ich fürchtete auch, sie wären sicher enttäuscht von mir und würden sich von mir abwenden. Kurzum, es fühlte sich besch… an und ich war so richtig unglücklich mit dieser Situation.

Was dann geschah, war einfach unbeschreiblich! Alle diese Menschen haben mir einzeln großartiges Feedback gegeben. Sie sind für mich da gewesen und haben mir Mut gemacht. Sie haben Kündigungsfristen außer Kraft gesetzt und mir Ihre Unterstützung angeboten. Und wir planten gemeinsam unsere zukünftigen Aktionen für den Moment, in dem ich meine Entchen wieder in der Reihe habe. Niemand hat sich abgewendet. Ich kann nicht beschreiben, wie dankbar mich das macht!

Und für noch etwas bin ich ungeheuer dankbar: für die Erfahrung, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Und dass in meinem Fall die Wand dank Profit First stark und belastbar ist.

Die meisten meiner Kunden kommen in einer solchen Situation zu mir. Sie stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand, nur dass es in ihrem Fall häufig eine „Chinesische Wand“ ist. Anschauen: ja, aber anlehnen: nicht so gut…

Ich bin ein empathischer Mensch und kann mich gut in andere einfühlen, aber eine solche Situation einmal selbst durchlebt zu haben, mit allen Konsequenzen – das hat schon noch mal eine andere Qualität!

Und so stand ich am Samstag beim Herbstspaziergang vor diesem herrlichen Baum und auf einmal war es mir klar:

Profit First ist ein Naturgesetz!

Wenn der Wind rauh und die Nächte kälter werden, konzentriert sich die Natur auf das Wesentliche. Es geht um die Erhaltung des Stammes, der Wurzeln und der Lebenskraft. Das schmückende Beiwerk wird abgeworfen und alle Energie ins Innere geleitet, so lange bis die Rahmenbedingungen wieder passen und der Frühling kommt. Dann wird die gesammelte Energie wieder in Wachstum und Entwicklung neuer Triebe gesteckt. Da haben dann alle etwas davon, nicht nur der Baum selbst 🙂

Der natürliche Kreislauf von Wachstum, Kräfte sammeln und weiterem Wachstum gilt für Bäume ebenso wie für Unternehmen. Es gibt eine Zeit für Wachstum und eine Zeit für Konsolidierung. Beides ist gut und beides sorgt für ein starkes gesundes Leben.

Jetzt Du:

  • Wie ist es um Deine Jahreszeit bestellt? Siehst Du gerade grünes Licht für Frühling und Wachstum oder leuchten vielleicht die ersten gelben Warnlichter für rauhere Zeiten?
  • Hast Du ein funktionierendes Frühwarnsystem?
  • Steht hinter Dir eine tragende, belastbare Wand oder eher eine „chinesische“?
  • Welches „schmückende Beiwerk“ wirfst Du vielleicht ab, um Deinen Stamm und Deine Wurzeln zu sichern und im nächsten Frühling über Dich hinauszuwachsen?

Ich freue mich auf Dein Feedback!

Liebe Grüße
Deine Benita

5 Kommentare zu “Profit First – die Natur macht’s uns vor”

    1. Benita Königbauer

      Vielen Dank, lieber Dirk!
      Bin immer wieder so beeindruckt, was wir von der Natur alles lernen können, wenn wir eben mal stehenbleiben, hinschauen und zuhören 🙂
      Viele Grüße zurück,
      Benita

  1. Konrad

    Sauber…!
    Ja da hast Du Recht, die Natur macht´s und vor. Und auch ich habe immer wieder meine Schwierigkeite das zu akzeptieren.
    Anscheinend ist jetzt auch bei Dir die Zeit Ballast abzuwerfen, durchatmen und Luft zu holen, Dinge zu ordnen, und dann im Frühjahr durchzustarten.
    Und ich verspreche es: Diejenigen die auch nach solchen kleinen zeitlichen Verzögerungen noch da sind und auf Dich warten:
    Das sind die Richtigen und mit denen macht es dann auch Spaß, sehr viel Spaß, zu arbeiten 😉
    Also ich freu mich schon drauf!!!!
    Liebe Grüße
    Konrad

    1. Benita Königbauer

      Lieber Konrad, vielen Dank! Ich freue mich auch schon sehr auf meinen kommenden Frühling 🙂 Und ich bin echt glücklich über die großartigen Menschen in meinem Leben!
      Und es fühlt sich auch jetzt richtig gut an, auf mein Frühwarnsystem zu vertrauen und mich konsequent darum zu kümmern, die Kräfte meines Unternehmens zu sammeln.
      Ich bin wirklich dankbar, zu so einem frühen Zeitpunkt bei den Ohrwascheln gepackt worden zu sein. Es ist nichts Garstiges passiert, kein Geschirr zerschlagen. Ich darf einfach meine Aktivitäten neu ordnen und mich im letzten Quartal wieder mehr in den Leistungserstellungsprozess einbringen.
      Hört sich zwar blöd an und ich war zwar vorher schon mehr als überzeugt davon, dass Profit First mein Unternehmen voranbringt, aber ich glaube, ich habe erst jetzt so richtig verinnerlicht, was Profit First wirklich für mich und mein Unternehmen bedeutet… 🙂

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